Fragen an Ursula Poznanski

Interview mit Ursula Poznanski

Die folgenden Fragen und Antworten geben euch einen spannenden Einblick in die Hintergründe von „Erebos 2“ und das Leben von Ursula Poznanski.


Bist du ein Nachtmensch?

Ursula Poznanski: Grundsätzlich ja. Wenn ich früh aufstehen muss, relativiert sich das dann ein bisschen, aber im Prinzip bin ich kein Feind längerer Abende.


Schreibst du denn auch viel nachts?

Ursula Poznanski: Gar nicht, also nur im absoluten Notfall, wenn die Deadline mich schon fast erschlägt und sich Panik breit macht. Ansonsten bin ich überhaupt kein Nachtschreiber, aus dem einfachen Grund, weil ich gern irgendwann Feierabend habe. Ich schreibe ja eher nach Menge und nicht nach fixen Zeiten und ich finde es dann schön, wenn ich vom Tag noch was übrig habe im Anschluss.


Der Erfolg von Erebos ist unglaublich. In Deutschland wurden ca. 750.000 Exemplare verkauft, in 38 Ländern ist dein Buch erschienen. Warst du denn auch in all den Ländern?

Ursula Poznanski: *lacht* Nein, leider nicht. In ein paar davon war ich. Man muss dazu sagen, das Buch ist jetzt zehn Jahre alt, die 38 Länder haben sich nicht sofort ergeben, sondern von Land zu Land immer weiter verbreitet.


Wann war denn der Moment, in dem du dachtest, jetzt muss ein zweiter Teil von Erebos kommen?

Ursula Poznanski: Das kam sehr schleichend, weil ich wirklich ganz lang gesagt habe, ich mache es nicht. Ich bin recht oft gefragt worden, ob ich einen zweiten Teil schreiben will und habe immer abgelehnt und war der Überzeugung, das bleibt so. Bis ich dann irgendwann vor zwei Jahren eine Lesung aus dem ersten Teil gemacht habe und mir dann wieder mal während des Lesens gedacht habe: „Technisch ist das jetzt schon ziemlich überholt“. Die Geschichte funktioniert noch und das ist auch alles super. Ich mag das Buch ja auch nach wie vor sehr gerne, aber all diese Ahhh-Effekte, die man 2010 hatte, wenn man das Buch gelesen hat, gab es nicht mehr. Bezüglich was das Spiel kann und wie es auf die Spieler einwirkt, welche Informationen das zum Beispiel über die Spieler sammelt. Das geht heute echt noch ein ganzes Stück besser. Im Laufe der Zeit kamen ja auch einige neue Technologien dazu, von denen ich immer gedacht habe: „Also, wenn Erebos das auch noch kann“ … Das war also eine gute Gelegenheit, einen zweiten Band zu schreiben, weil ich dann die Geschichte nicht mit anderen Vorzeichen erzählen muss, sondern wirklich eine neue Geschichte erzählen kann.


Wie ist das eigentlich mit Nick und seinen ganzen Freunden, waren die immer bei dir in diesen 10 Jahren? Hast du an die gedacht?

Ursula Poznanski: Immer mal wieder – also ich habe mir tatsächlich erst überlegt, was die alle so machen, ab dem Zeitpunkt, an dem ich gewusst habe, dass ein zweiter Teil erscheinen wird. Die waren natürlich schon sehr präsent, einfach weil ich mit dem Buch immer wieder in Kontakt gekommen bin und immer wieder drüber gefragt worden bin. Auch habe ich während der Jahre immer wieder aus dem Buch gelesen, weil der ein oder andere Veranstalter das gerne wollte – dadurch ist der Kontakt nie wirklich abgerissen.


Ist es dir im Vergleich zum ersten Buch leichter oder schwerer gefallen, die Spannung nochmal so anzuziehen?

Ursula Poznanski: Also ich glaube bei Teil eins habe ich eine Spur langsamer angefangen, da geht Nick ja erst Volleyball spielen und man sieht, mit wem er sich in der Schule verträgt und mit wem nicht. Dann kommt erst langsam diese Geschichte, dass die Päckchen von einer Hand zur nächsten gehen und dass er sich fragt, woran das denn liegen könnte. Diesmal kannte ich Nick bereits und ich habe mir gedacht, dass ich diesen doch sehr platzintensiven Einstieg diesmal vielleicht gar nicht brauche. Es war fast einfacher, weil er mir ja auch schon vertraut war.


Am Schluss von Teil eins war Nick glücklich mit einer Emily zusammen und jetzt erzählst du etwas von einer Claire …

Ursula Poznanski: Ja … *lacht* Das tut mir jetzt auch leid.


Was ist da passiert?

Als Nick mit Emily zusammen war, da war er erst sechzehn – ich meine, in zehn Jahren passiert schon mal was … Es kommt zur Sprache, ich verschweige das im Buch nicht, das wird noch erwähnt – ich sag jetzt allerdings nichts mehr. Das ist durchaus ein Handlungsstrang, den man jetzt nicht vorwegnehmen sollte.


Nick macht diese Hochzeitsfotos, aber er macht ja auch noch etwas anderes. Er ist auf dem College, glaub ich?!


Ursula Poznanski: Ja, genau, er studiert Fotografie und macht das als Nebenjob. Er fotografiert zum Beispiel für Hochzeiten oder für Restaurants die Speisen, um sie auf der Homepage zu präsentieren. Er sucht halt immer wieder nach Nebenjobs, die einigermaßen gut bezahlt sind. Und im Laufe des Buchs kriegt er dann auch noch ein paar andere interessante Foto-Jobs …


War dir vorher klar, dass in diesem Teil auch alle anderen auftauchen, die im ersten Teil wichtige Rollen gespielt haben?

Ursula Poznanski: Also alle nicht zwingend, aber einige. Vielleicht gehe ich da auch immer von mir aus, wenn ich sowas lese. Dann mag ich den Wiedererkennungseffekt der Geschichte. Und wenn ich dann schon weiß, da sind inzwischen zehn Jahre vergangen, will ich nicht nur wissen, was mit Nick in der Zwischenzeit passiert ist, sondern möchte dann ebenfalls eine Ahnung davon kriegen, wie die anderen sich entwickelt haben. Ein paar sind sicher nicht dabei, aber das waren dann auch eher Nebenfiguren. Deshalb kommt Jamie wieder vor und eben ein paar andere auch. Ich bin da ja egoistisch, ich nehme die rein, die ich mag. *lacht*


Klar ist auch, dass der zweite Teil in London spielt. Warum hast du dich eigentlich ursprünglich für London entschieden? Du kommst ja aus Wien, du hättest es in Wien spielen lassen können oder in München?

Ursula Poznanski: Es wurde London, weil ich den ersten Band ja damit auflöse, dass Nick begreift, dass Erebos den Londoner U-Bahn Plan als Grundlage hat. Und der hat einfach diese grandiosen Namen. Also Wien Mitte oder Wien Meidling, das ist doch einfach nicht so hübsch … Da ist es doch viel netter, sowas wie Goldhawk Road oder Moorgate zu haben. Dazu habe ich sofort ein Bild im Kopf und dieses Bild kann ich dann ins Buch einbauen. Außerdem habe ich damals gehofft, dass ich im Zuge des Schreibens noch eine kleine Recherchereise machen kann. Das hat dann aber leider nicht geklappt. Aber jetzt beim zweiten habe ich sie gemacht, ich habe es endlich genutzt und bin nach London gefahren.


Wer deinen ersten Teil sehr genau gelesen hat, kennt Derek vielleicht sogar. Also du hast ihn da entnommen für den zweiten Teil. Wieso war er wichtig, so als Gegenfigur oder Ergänzung zu Nick?

Ursula Poznanski: Es war klar, dass Nick nicht mit derselben Naivität auf Erebos zugehen wird, nach allem, was er im ersten Teil bereits erlebt hat. Also er würde nicht sagen „Ohh cool, lass uns wieder ein bisschen spielen“ – das geht einfach nicht. Das heißt, ich wollte jemanden haben, der das Spiel noch nicht kennt und wieder hineingeht. Und dann wollte ich das Ganze aber trotzdem verknüpfen, deswegen ist es Derek geworden. Er kommt tatsächlich auch jünger im ersten Band vor. Ich wollte die Balance haben zwischen jemandem, der ein gebranntes Kind ist und einer Figur, die gar nichts damit anfangen kann und jetzt ganz neu in das Spiel hineingeht.


Welchen Teil findest du besser?

Ursula Poznanski: Ich tu mich da wahnsinnig schwer, weil ich ja immer weiß, welche Tricks ich anwende. Also von daher ist das schwer zu beurteilen. Ich glaube, sie sind beide anders. Ich glaube auch, dass du bei diesem Buch wieder nicht ab Seite 230 weißt, was ahintersteckt. Um das allerdings abwiegen zu können, kenn ich die Bücher zu gut.


Hast du einen persönlichen Lieblingscharakter?

Ursula Poznanski: Ich habe eine große Schwäche für Viktor, deswegen kommt der auch wieder vor. Nick ist natürlich auch ein Lieblingscharakter von mir. Aber manchmal hat man zu den Nebenfiguren ein besseres Verhältnis. Die müssen die Handlung nicht tragen. Die Nebenfiguren sind eher für die witzigen Sidekicks verantwortlich, die sich dann so ein bisschen von selber schreiben. Die mögen die Autoren meist am liebsten.


Spielst du selbst Computerspiele bzw. welche Apps nutzt du am meisten?

Ursula Poznanski: Computerspiele habe ich als Studentin genutzt und fand das auch witzig. Ich weiß also, weshalb man dranbleibt. Aber momentan gar nicht – das liegt aber natürlich auch an einem Zeitproblem. Aber Instagram ist ein großer Favorit von mir. Die App mag ich wirklich gern, weil ich gern fotografiere und gern schöne Fotos sehe. Ich folge einer ganzen Menge Accounts von Leuten, die tolle Fotos machen. Auch von Kollegen. Ich poste relativ regelmäßig und mag auch Instagram mittlerweile deutlich lieber als Facebook. Es wird weniger gestritten, habe ich den Eindruck. Ich lese auch Twitter meist nur kurz nach, da wird nämlich richtig viel gestritten. Wenn man politisch interessiert ist, ist Twitter allerdings fast unverzichtbar, weil einfach sehr viele verschiedene Meinungen aufeinanderprallen. Und das finde ich interessant … so für das große ganze Bild. Google Maps nutze ich gern, weil ich einfach kein Orientierungsvermögen habe und viel in unbekannten Städten unterwegs bin und mich sonst total verlaufen würde. Was ich relativ gerne spiele, um Pausen zu überbrücken, ist Angry Birds. Da bin ich glaube ich schon auf Level 945 – also schwer zu schlagen. *lacht*

Mail-Apps nutze ich natürlich. Die hat man halt einfach und die sind auch wichtig. WhatsApp habe ich auch, trotz aller bösen Dinge, die ich in diesem Buch drüber schreibe. Eher so praktisches Zeug … Ich habe jetzt eine App gefunden, mit der man Pflanzen fotografieren kann und dann sagt die einem, welche das Art das ist.

Ich habe das Unkraut in meinem Garten fotografiert … um zu wissen, was ich ausreißen soll und was nicht. Die habe ich neu entdeckt.

Ich habe außerdem wahnsinnig viele Fotobearbeitungs-Apps, weil ich wie gesagt gern fotografiere und wenn das Wetter nicht schön ist, dann mach ich es eben schön.


Wie ist die Entscheidung gefallen, dass das Buch tatsächlich 10 Jahre später spielt?

Ursula Poznanski: Die Hauptmotivation, das Buch zu schreiben, war nunmal, dass die Entwicklung der Technik so rasend fortgeschritten ist – dann kann ich die Charaktere ja nicht nur 17 sein lassen. Also es war klar, dass die 10 Jahre auch im Buch vergangen sind und Nick entsprechend gealtert ist.


Warum kommen in Erebos Figuren aus der griechischen Mythologie vor?

Ursula Poznanski: Als ich den ersten Band geschrieben habe, war mir klar, das Spiel braucht einen Namen. Ich wollte gern etwas haben, was düster klingt und was man nicht sofort identifizieren kann. Wenn ich das Ganze Neptun genannt hätte, hätte jeder gleich den Gott des Meeres darin erkannt. Aber Erebos kennt halt nicht jeder. Dadurch bin ich übrigens auch erst auf die Idee gekommen, diese griechischen mythologischen Anspielungen einzubauen. Das ist das Tolle am Schreiben. Man hat dann so einen Ankerpunkt und plötzlich ergeben sich wahnsinnig viele Möglichkeiten, die alle toll zusammenpassen.


Wie sehr hast du dich mit dem technischen Hintergrund auseinandergesetzt?

Ursula Poznanski: Da habe ich den großen Vorteil, dass ich das nicht genau erklären muss. Das Spiel kann ja immer ein wenig mehr als gerade aktuell ist. Da sind einige Dinge, die momentan noch nicht funktionieren, aber ganz bald meiner Meinung nach so sein werden. Ich bediene mich immer daran, was es gibt und denke dann 4-5 Jahre weiter.


Gab es mal die Überlegung, das Buch zu verfilmen?

Ursula Poznanski: Ja, die gab es immer wieder. Das liegt allerdings auch an Produzenten, die das Ganze produzieren wollen. Es sind ganz viele von meinen Stoffen optioniert. Das bedeutet, dass Filmfirmen für eine gewisse Summe die Hand draufhaben und in der entsprechenden Zeit die alleinigen Rechte zur Verfilmung besitzen. Meistens sind die Rechte an mich zurückgegangen. Ich war allerdings nie sagenhaft unglücklich drüber, weil mir klar ist, dass eine Verfilmung immer einen Kompromiss bedeutet und je nachdem, wie viel Einfluss ich drauf habe, eine Komplettverfremdung der Geschichte bedeuten kann. Ich sehe das sehr pragmatisch.


Bist du jemand, der wie Nick manchmal Freunde und Freundinnen zum Übernachten einlädt?

Ursula Poznanski: Theoretisch ja, bei mir ist es allerdings auch manchmal nötig, da ich ziemlich weit draußen wohne. Wenn dann 1-2 Glas Wein im Spiel sind, ist das manchmal nötig, da keine Busse mehr von mir wegfahren. Aber nicht in diesen Mengen, keine Partys, wo dann sieben Leute bei mir schlafen. Mein Sohn macht das manchmal, wenn er die Bude für sich hat.


Den zweiten Teil hast du jetzt deinem Sohn gewidmet – das war ihm wichtig, oder?

Ursula Poznanski: Ja, den ersten auch. Also es war so … beim ersten Teil hat er gesagt: „Wenn du eine richtige Mutter wärst, würdest du mir das Buch widmen …“, da war er gerade zehn Jahre alt. Woraufhin ich gesagt habe, dass ich das machen werde und genau wortwörtlich ins Buch aufnehmen würde. Er fand das peinlich, deshalb habe ich nur „Für Leon“ reingeschrieben. Jetzt beim zweiten Buch habe ich seine Worte trotzdem reingeschrieben, mittlerweile steht er drüber.